Grünfutter anfüttern

Heimtiere besitzen ein empfindliches Verdauungssystem, das auf plötzliche Futterumstellungen mit Verdauungsstörungen reagieren kann. Deshalb sollten sie, ähnlich wie Pferde beim Anweiden im Frühjahr, langsam an frisches Grün gewöhnt werden. Entsprechend gelten die gleichen Grundregeln: das „Anweiden“ muss schrittweise und systematisch erfolgen. Um das Risiko von Magenüberladung und Aufgasung zu vermeiden, sollten die Tiere niemals „ausgehungert“ auf die frische Wiese gesetzt werden. In der Regel reicht es aus, ihnen stets Heu zur freien Verfügung anzubieten. So haben sie immer etwas Rohfaser im Magen und Darm, fressen das frische Gras langsamer und können es besser verdauen. Der folgende schrittweise Plan ist vom Prinzip her auch für andere Futterumstellungen zu empfehlen.

Voraussetzungen für das Anweiden

  • Das Tier ist gesund
  • Das Tier frisst ausreichend Heu
  • Es bestehen keine akuten Verdauungsprobleme
  • Die Wiese ist ungedüngt, unbehandelt und frei von anderen tierischen Ausscheidungen
  • Heu steht 24 Stunden am Tag zur Verfügung

Phase 1: Gewöhung  (Tag 1 – 7)

Tag 1–2: 1 kleine Handvoll Gras pflücken (bei mehreren Tieren im Stall verteilen).
Tag 3–4: 2 Handvoll auf 2 Portionen/Tag verteilen.
Tag 5–7: Weiter langsam steigern bis 4 Handvoll/Ta

Wichtig

– Kot täglich kontrollieren (Form, Konsistenz, Geruch)

– Bei weichem Kot → Menge an Grünfutter reduzieren

– Frischfutter und/oder Trockenfutter entsprechend gleichzeitig langsam reduzieren

Phase 2: Steigerung  (Woche 2)

Anfang Woche 2 45-60 Minuten kontrollierter Wiesengang
Mitte Woche 2 2 mal 1 Stunde
Ende Woche 2 2 mal 2 Stunden

Nur steigern wenn,

– Kot normal geformt

– Kein Blähbauch

– Normales Verhalten

Phase 3: Vollständige Umstellung (ab Woche 3 – 4)

  • Mehrstündiger Wiesengang möglich und weiterhin steigern
  • Bei stabiler Verdauung: ganztägiger Zugang möglich
  • Heu weiterhin anbieten (auch bei viel Gras!)
Achtung

– Nicht auf sehr nasser oder gefrorener Wiese anweiden (Verdauungsprobleme)

– Keine drastische Futterumstellung innerhalb weniger Tage

– Stress vermeiden (z.B. kein gleichzeitiger Stallwechsel)

–Kaninchen und Meerschweinchen, die kein Frischfutter bekommen, müssen langsamer umgestellt werden.

–Wöchentliche Gewichtskontrollen geben Anhaltspunkte für Überfütterung oder bestehende Verdauungsprobleme.

 

Welche Pflanzen?

  • Vor allem rohfaserreiche Gräser, gemischt mit etwas Wildkräutern (maximal 50% Anteil)
  • Gräser: z. B. Knaulgras, Weidelgras, Wiesenfuchsschwanz, Wiesenschwingel, Rotschwingel, Kammgras, Wiesenrispe, Wehrlose Trespe, Wiesenlieschgras, Glatthafer
  • Wildkräuter: z. B. Löwenzahn, Spitzwegerich, Breitwegerich, Schafgarbe, Klee, Esparsette, Brennnessel (leicht welk, damit sie nicht mehr brennt), Waldmeister (geringe Mengen), Flockenblume, Margerite, Wiesenkerbel, Wilde Möhre, Leimkraut, Hornkraut, Wicke, Rainfarn, Gänseblümchen, Vogelmiere, Gundermann, Huflattich, Labkraut, Ehrenpreis, Ackerschachtelhalm, Schaumkraut, Giersch, Springkraut, Taubnessel
Giftig (Beispiele)  

– Jakobskreuzkraut

– Herbstzeitlose, Aronstab, Maiglöckchen

– Hahnenfuß (frisch)

–Einbeere

–Fingerhut

– Gefleckter Schierling

– Lerchenspron

– Immergrün

–Buschwindröschen

 

Sammelorte

  • Auf dem Land: ideal von wilden Wiesen an Orts- oder Waldrändern oder in der Nähe von natürlichen Flächen
  • In Städten: an Spielplätzen oder auf Wiesen in Parks (Hunde gehen hier an der Leine, Belastung durch Dünger oder Pestizide unwahrscheinlich, aber besser vorab erkundigen)
Diese Orte meiden

– Straßenränder (Abgase)

– Wegesrand von typischen Hunderouten (Nitratbelastung, Parasiten)

– Feldränder (mögliche Dünge- und Pestizidbelastung)

–Weiden anderer Tiere (Parasitengefahr)

–Gräser aus dem Rasenmäher (Öl- und Abgasrückstände; zu kleine Struktur führt zu übermäßiger Aufnahme)

Warnzeichen (sofort reagieren)

  • Aufgeblähter Bauch
  • Appetitlosigkeit
  • Weicher, breiiger oder stark riechender Kot
  • Teilnahmslosigkeit

Je nach Schwere der Symptomatik zunächst kein Frischgras mehr, sondern nur Heu anbieten. Gegebenenfalls ColoSan® verabreichen. Als die natürliche Soforthilfe sorgt ColoSan® für Erleichterung bei Verdauungsstörungen wie futterbedingte Blähungen und Magen-Darm-Störungen. In der Notfallapotheke darf ColoSan® daher nicht fehlen. Bei anhaltender und starker Symptomatik ist sofort ein Tierarzt aufzusuchen.